Stanley “tookie” Williams
Kulturweltspiegel vom 27. November 2005 - Stanley Tookie Williams
In diesem Sommer hat ihn George W. Bush für seinen Einsatz gegen Jugend- und Bandenkriminalität ausgezeichnet - Stanley “Tookie” Williams, der seit fast 25 Jahren in einer kalifornischen Todeszelle sitzt. Zum Zeitpunkt der Preisverleihung wusste der amerikanische Präsident allerdings nichts von “Tookies” Vergangenheit. Der heute 51-jährige Afroamerikaner war Anfang der 70er Jahre Mitbegründer und Anführer der “Crips”, einer berüchtigten Jugendgang, die Los Angeles mit einem blutigen Straßenkrieg überzog. 1981 wurde Williams wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt.
Der Kinderbuchautor
Während der langen Jahre in Haft ist aus ihm ein anderer Mensch geworden. Davon ist zumindest die amerikanische Öffentlichkeit überzeugt. Williams selbst schildert seine Läuterung als einen langwierigen Prozess. “Glauben Sie nicht, dass das an einem Tag passiert ist. Ich habe jahrelang an mir gearbeitet und schließlich erkannt, dass ich anderen benachteiligten Kindern helfen muss.”
1993 lernte er die Journalistin Barbara Becnel kennen, die ihn für einen Artikel über Straßengangs interviewte. Sie war beeindruckt von seiner Energie und erklärte sich bereit, ihn bei seinem Projekt zur Gewaltprävention zu unterstützen. Es war der Beginn einer bis heute andauernden Zusammenarbeit. Mit ihrer Hilfe schrieb Williams eine Reihe von Kindergeschichten, die 1996 unter dem Titel “Tookie verurteilt die Gewalt innerhalb der Gangs” erschienen. Sie wurden in einschlägigen Vierteln verteilt und waren nach Einschätzung von Sozialarbeitern und Bürgerrechtlern ein voller Erfolg. “Diese sinnlose Gewalt hat so viel Schmerz verursacht, so viele Mütter und Väter haben ihre geliebten Kinder verloren”, sagt Williams. “Gemeinsam können wir diesem Wahnsinn ein Ende setzen.” Zwei Jahre später folgte die Autobiografie “Life in Prison”, mit der sich Williams ebenfalls an jugendliche Leser wandte. Sein Ziel: sie davon abzuhalten, so zu werden wie er. Schließlich stellte er gemeinsam mit Barbara Becnel ein Internetprojekt auf die Beine, mit dem er Jugendliche davor bewahren will, Zuflucht in Straßenbanden zu suchen. “Die Kinder sollen verstehen, dass sie sich selbst helfen müssen. Drogen, Waffen und Gewalt sind der falsche Weg.” Sein enormes Engagement brachte ihm fünf Nominierungen für den Friedensnobelpreis ein. Auch für den Literaturnobelpreis wurde er mehrfach vorgeschlagen.
Gerade schreibt Williams sein elftes Buch. Viel Zeit bleibt ihm nicht - falls nicht ein Wunder geschieht. Denn für den 13. Dezember ist seine Hinrichtung durch eine Giftinjektion angesetzt. Jahrelang haben sich seine Anwälte um die Aufhebung des Urteils bemüht. Zuletzt sind sie im Oktober vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gescheitert. Williams beteuert bis heute seine Unschuld.
Jetzt kann nur noch eine Begnadigung durch den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger helfen. Der aber ist ein Verfechter der Todesstrafe. Dabei fordern Williams’ Unterstützer nicht die Freilassung, sondern die Umwandlung in eine lebenslange Haftstrafe. “Eine Begnadigung würde diesen jungen Leuten in den Gangs die Botschaft senden: Wir vergeben euch - wenn ihr euch ändert. Eine Hinrichtung würde bedeuten: Wir werden euch niemals vergeben”, meint Barbara Becnel.
Die Diskussion über die Todesstrafe
Am Fall Williams entzündet sich erneut die Diskussion über die Todesstrafe in den USA. Während Vertreter der Opferorganisationen darauf beharren, dass ein rechtmäßig ergangenes Urteil in jedem Fall vollstreckt werden muss, um die Tat zu sühnen, plädieren Gegner der Todesstrafe dafür, die gelungene Resozialisierung bei einem Gnadengesuch in Rechnung zu stellen. “Es ist schwer vorstellbar, dass ein Häftling aus dem Gefängnis mehr für die Gesellschaft leisten kann, als es Mr. Williams getan hat”, hieß es erst vor wenigen Tagen in einem Leitartikel der großen kalifornischen Zeitung “San Francisco Chronicle”. Auch der bekannte Rapper Snoop Dogg setzt sich bei Gouverneur Schwarzenegger für “Tookie” ein. “Ich war früher selbst Mitglied seiner Gang. Er hat mich dazu gebracht aufzuhören. Er hat mich inspiriert, und durch mich hat er die Millionen meiner Fans inspiriert”, sagte er bei einer Demonstration vor dem San Quentin-Gefängnis.
Tja, da sieht man’s wieder, gestern von Bush gelobt, heute kurz vor dem Tod. Und das wahrscheinlich nur, weil er die “falschen” Anwälte hatte, die es nicht schafften, dem Staatsanwalt Robert Martin bei der Auswahl einer rein weissen Jury eine Beschwerde einzureichen….. Schwarzenegger muss heute entscheiden was geschieht, sosnt stirbt Williams um Mitternacht
edit: Arnold hat abgelehnt! Nun bleibt nur noch die Chance, dass ein Bundesgericht bis Mitternacht Einspruch erhebt….
edit: Kein Einspruch: Williams ist Tot RIP



