Kristallkugel Hertha oder “Unter den Blinden”
Mal wieder ausm VfB-Forum:
Tja nun, nachdem ich das Kügele zur Überholung gegeben habe, hoffe ich, daß mich das gläserne Lügenmaul künftig etwas weniger schamlos übers Ohr haut, wie in jüngster Vergangenheit. Schaumermal. Hoffemers.
Nach dem besonders effektiven Trainingslager (Babbel:”Die Karten wurden neu gemischt!”), nutzt der hochmotivierte VfB den Nachmittag vor dem Spiel zu ausgiebigem Sightseeing. Der “Aleks”, “Unter den Blinden”, der “Brandenburger Tor” (Stolpe)u.ä. werden besucht. Babbel wird von der Vereinsführung, zwecks Vorbereitung auf künftige Interviews, zum Beten in die “Gedächtniskirche” geschickt.
Unmittelbar vor dem Spiel kommt es zum Smalltalk zwischen den beiden Trainern. Der stilsichere Falko Götz (Armani), empfiehlt Armin Veh (Armini) seinen Friseur und weist das Augsburger Landei auch sonst auf den einen oder anderen stilistischen Fauxpas hin.
4. Minute Die beiden UEFA-Cup Anwärter belauern sich bisher gegenseitig. Ein beherzter Vorstoß von Hinkel zur Mittellinie, endet mit einem sicheren Zuspiel auf den wiederhergestellten Hildebrandt. Der VfB wirkt sehr sicher. Das, im eigenen Sechzehner aufgezogene, Kurzpaßspiel, wirkt abgeklärt und nährt die internationalen Ambitionen der Mannschaft.
12. Minute Tiffert, als Berliner besonders motiviert, setzt den heute wieder entschlossen um seinen Stammplatz kämpfenden Gerber ein. Ein ums andere Mal überrascht der Außenverteidiger sein Berliner Gegenüber durch seine unkonventionelle Technik.
17. Minute Das diesmal von Anfang an eingesetzte „Dampfhämmerle“ des VfB Stuttgart kommt an der Strafraumgrenze in große Verlegenheit. Der Ball rollt an. Wohin damit? Ein in tiefe Melancholie versunkener Balljunge an der rechten Eckfahne, muß seine Unaufmerksamkeit bitter büßen. Der anschließende Krankenhausbesuch des „Hämmerles“ in der Charité bringt dem VfB jedenfalls bundesweit Sympathiepunkte ein.
25.Minute Ein beherzter Vorstoß von Friedrich zur Mittellinie, endet mit einem sicheren Zuspiel auf Fiedler. Der gnadenlose Konkurrenzkampf der beiden deutschen WM-Außenverteidiger verschlägt dem Publikum den Atem. Ach herrje, könnte Klinsmann doch beide nominieren!
37.Minute Endlich! Erstmals in diesem Spiel überläuft „der Unbuchstabierbare“ des VfB seinen Gegenspieler, der dadurch erstmals dessen Namenszug erblickt. Nun ist´s vorbei. Fathi wirkt zunehmend entnervt und läßt Groe……Grüa….Graeaoer…..nun ja, „den kurz vor Saisonbeginn gekommenen“, ein ums andere Mal ziehen.
44. Minute Alarm im Strafraum der Hertha. Eine vielversprechende Standardsituation, ein Freistoß am rechten Strafraumeck, läßt die Heimmannschaft erbeben. Grundgütiger! Obwohl im Mauerbau besonders erfahren, schwant der Hertha nichts Gutes. Wer, von all den europaweit Gefürchteten wird ausführen? Vorschlaghämmerle? Zirkel-Ljubo? Kracher-Tiffi? Es ist Sanso-Meira. Nur mit Mühe, rettet sich der Ball in die Arme von Fiedler.
Halbzeit Während aus der Nachbarkabine hitzige Diskussionsfetzen über die neue Armani-Frühjahrskollektion zu vernehmen sind, bleibt Veh, wie immer, sachlich („Ein Auswärtssieg bedeutet Drei Punkte“, „Aus Niederlagen lernen, heißt Siegen lernen“ und „Zvoni, wie sieht´s aus mit meinem Vertrag?“). Ein mißmutiger Magnin kippt Gerber eine Portion Rizinus in den Tee. Ein Eigentor. Noch nie ist Gerber schneller gelaufen, als in der folgenden Halbzeit.
53. Minute Ljuboja, bislang unauffällig, hält den Ball und wartet auf den nachrückenden Soldo.
58.Minute Soldo ist da! Präzise findet das Zuspiel seine Adresse. Der nachfolgende Schuß des VfB-Kapitäns löst Heiterkeit aus.
65.Minute Babbel soll ausgewechselt werden. Fassungslos murmelt Babbel ein ums andere Mal „Ich bin doch fit! Ich bin topfit!“ und räumt wiederwillig seinen Platz für den offensiveren Meißner. Später wird aber klar, Veh wollte mit Meißner neuen Schwung in das Spiel des VfB bringen.
73.Minute Groenkjaer sprintet die Außenlinie bis zur Eckfahne entlang, umrundet sie und spurtet denselben Weg wieder zurück. Szenenapplaus.
81. Minute Gerber, mit seltsam grünlicher Gesichtsfarbe, signalisiert dringenden Auswechslungsbedarf. Die rätselhaften Bemerkungen „Shice, Shice, Shice!“ und „die K…. ist am Dampfen“, deutet Veh als etwas überzogene Selbstkritik („Nananana, war doch ganz OK“).
88. Minute Da! Da ist sie, die Schlußoffensive des Gastes aus dem Südwesten. Meißner setzt sich in Bewegung. Der mittlerweile eingewechselte „Pinocchio“ Gomez, spurtet, wie immer etwas hölzern wirkend, in die Gasse. Ein Traumtor.
90. Minute Schlußpfiff. Berlin war eine Reise wert. Allgemeine Zufriedenheit unter dem VfB-Anhang. Götz weiß: „Es ist schon bitter, gegen einen so schlechtgekleideten Gegner zu verlieren. Und dann auch noch diese Haare!“ Armin Veh, wie immer sachlich analysierend meint dagegen: „Kleider machen keine Punkte.“ Erwin Staudt wirft ein etwas zynisches „Breuninger!“ in die Runde. Abseits der Kameras wird ein intimeres Gespräch zwischen Falko Götz und Soldo registriert „Zvoni, könntest Du Dir vielleicht vorstellen……..“
wie wahr wie wahr….



