Schwabenblogger

Wed 19,April,2006 16/52

Kristallkugel Frankfurt

Filed under: VfB

Nachdem die Kugel im Lauf der letzten Woche unschön getrübt war (sie besteht anscheinend aus Fieberglas), gibt sie mir heute wieder eine Fata Morgana zum Besten, deren Unwahrscheinlichkeit sich gewaschen hat. Anläßlich einer näheren Untersuchung bei „Kunst und Krempel“ in BR 3, wurde mir übrigens zweifelsfrei versichert, daß das Gerät aus der traditionsreichen Glasbläsermanufaktur „Münchhausen“ stammt. Die Kugel soll u.a. dem letzten russischen Zaren ein besonders langes Leben prophezeit haben. Nun ja…….

Der, von der neuen Entwicklung um die Personalie Veh hocherfreute, Kader des VfB Stuttgart, findet sich am Mittag auf dem Gelände des „Eitel-Sonnenschein-Stadions“ ein. Abseits der allgemeinen Vorbereitung, findet ein vertrauliches Gespräch zwischen „2 bis 3 % mehr“-Babbel und dem Landesvorsitzenden der FDP statt. Auch diesmal offenbaren sich biblische Szenarien. Das bloße Ausstrecken der, mit einem vereinseigenen Kugelschreiber bewehrten, Hand des neuen VfB-Heilsbringers, teilt die Wasser des Entmüdungsbeckens.

Unmittelbar vor dem Spiel, kommt es, wie üblich, zum Smalltalk zwischen den beiden Vereinsspitzen. Die innerhalb der letzten Entwicklung übergangene Übergangslösung Dr.Hundt wirkt seltsam wortkarg, das sonst übliche Viertele, ist einem undefinierbaren, seltsam blaßfarbenen Schorle gewichen, wohingegen ein sichtlich gelöster Erwin Staudt das sonst allfällige, schale aber magenfreundliche, Bonaqua gegen eine zünftige Tasse Glenmorangie eingetauscht hat. Heribert Bruchlandungshagen verehrt seinem geschätzten Kollegen Heldt einen von Heinz Schenk mundsignierten Bembel. Die Frankfurter, als gewitzte Vertreter der heimatlichen Wirtschafts- und Dienstleistungsmetropole, überreichen den Stuttgartern feierlich eine original Frankfurter Trainer-Bank (Nicht wenige Stuttgarter Spieler wollen dort nach Spielende spontan ein Konto einrichten).

4. Minute Die beste Nachricht: Es steht noch 0:0. Der nun festangestellte Coach des VfB offenbart nun seine kühsten Vorhaben. Allem Anschein nach, liebäugelt der bisher vorsichtig taktierende Veh mit einem Sieg. Tatsächlich! Die Offensivkräfte des VfB lösen sich samt und sonders von der Mittellinie.

11. Minute Meissner, heute besonders motiviert, hat sich offenbar noch viel mehr als sonst vorgenommen. Der nun hessische Hellene Amanatidis liegt, wie von Zeusens Blitzen gefällt, an der Seitenlinie. Nun ja, er ist ja nicht der erste Grieche, der unter spartanischen Mitteln eines Gegners leidet.

25. Minute Die diesmal, allesamt aus, mit erheblichen Migrationsproblemen behafteten, Stuttgarter Hauptschulen, zwangsrekrutierten, Balljungen, erwarten einen optimal gelegenen Freistoß des „Hammerhais“ Hitzlsperger. Es folgt die Geburt einer neuen, allgemeingültigen, physikalischen Formel:

Schußstärke + Selbstvertrauen - Zielgenauigkeit = neue Videotafel

35.Minute Die Frankfurter Hintermannschaft erwehrt sich mit vereinten Kräften der pausenlosen Sturmflut der wie befreit wirkenden Stuttgarter. Irgendwie entsteht der Eindruck, als hätten sich ausnahmslos alle Stuttgarter um 2 bis 3 % gesteigert.

41. Minute Der heute mit zwar immer noch empfängerlosen aber dafür herrlich parabelförmigen Flanken auftrumpfende Groaea……Groanaoer….Graeaoer…..nun ja, der einzige Spieler des VfB Stuttgart, der weder lästige Werbepost, noch Kettenbriefe bekommt, dringt selbst in den Strafraum ein und bedient uneigennützig seinen Stammesverwandten, der hümörloes zum 1:0 einnetzt. Die Stadionalage gibt das „Veh Deum“ von Händel, in der Fassung der „Kopenhagener Philharmoeniker“ wieder.

Halbzeit Während aus der Nachbarkabine das alberne Gekreisch des Frankfurter Coaches zu hören ist, bleibt Veh, trotz neuen Vertrages, wie immer, sachlich („Frankfurt ist nicht Bayern“, „Nach der 3 Punkte-Regel, sind 3 Punkte 3 Punkte“ und „Pacta sunt servanda“). Babbel zieht derweil den jungen, in der 1. HZ sehr auffälligen, Gentner am Ohr. „Habe ich 20 bis 30 gesagt???? 20 bis 30???? Hä???“ Nach einer weiteren Erörterung des Wohl und Wehe der 3 Punkte-Regel, sowie einem kurzen Abriß über die Rechtsfolgen von Verträgen, innerhalb der Entwicklung des Privatrechtes zur Zeit der römischen Republik, bis zu Lucius Cornelius Sulla Felix, geht es wieder auf den Platz.

46. Minute Unglaublich aber wahr. Der VfB legt sofort nach. Die mit goldenen Vereinsehrennadeln behangene Ehrenmitgliedsabteilung der HT, im Volksmund scherzhaft als „Kreml-Loge“ bekannt, sinniert andächtig über die historischen Ausmaße des Augenblicks. Der 99 jährige Albert Bruddlinger (VfB-Zitterkreuzträger mit Schwertern und Brillanten) vermacht Ljuboja, dem Torschützen, spontan 7 „saure Wiesla“ und 1,2 ha Trollinger.

58. Minute Sieh da, Hilde hält wieder Unhaltbare. Zwar handelt es sich dabei zunächst nur um einen leeren, vom Wind in den Strafraum verwehten, 1 l Tetrapack unpasteurisierte Vollmilch aber immerhin.

65.Minute Babbel, um exakt 3 % spritziger als bei seinem letzten Einsatz, ist nicht vom Ball zu trennen. Über kurz oder lang sollte er aber endlich einwerfen.

76.Minute Freistoß für den VfB. Der mittlerweile in solchen Fällen obligate Ruf „In Deckung, wenn Ihr Schwaben seid“ hallt durch das weite Rund. Nur wenige Mutige sehen einen diesmal eher zaghaften „Hämmerle”, der den Ball auch folgerichtig nur ansatzweise trifft. Wunderschön senkt sich das, stümper- und anfängerhaft genau plazierte, Leder zum 3:0 in die Maschen des Oka Nikolov.

88. Minute Die entnervten Gäste, längst allesamt mit den bankwirtschaftlichen Gepflogenheiten ihrer Vereinsstadt vertraut, räumen dem VfB günstige Modalitäten für das Torekonto ein. JDT trifft und erhöht damit sowohl sein laufendes Torekonto, als auch den Dispo (bisher -12 Tore) für nächste Saison um, na klar, 2 bis 3, genauer 2,5 %.

90. Minute Schlußpfiff. Allgemeine Zufriedenheit unter dem VfB-Anhang. 4:0. Endlich sonnt sich der gemeine Fan wieder berechtigterweise in Glanz und Gloria der zweifellos zu erwartenden CL-Saison 2007/2008. Funkel weiß: „Die Vertragsverlängerung war unser Untergang.“ Armin Veh, wie immer sachlich analysierend, meint: „Wenn sich jeder einzelne Spieler auch nur um 2 bis 3 % steigert, gewinnen wir 22 bis 33 %. Bei der nun gottlob geltenden 3 Punkte - Regel, entspräche dies…….“ Erwin Staudt wirft, etwas deplaziert, einen ominösen Neuzugang namens Jack Daniels in die Runde.

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