Schwabenblogger

Fri 05,May,2006 18/52

Kristallkugel Wolfsburg

Filed under: VfB

Die Kugel hat sich erstmals massiv bei mir beschwert und ich kann es sogar irgendwie nachvollziehen. „VfB, VfB, Du und Dein VfB!“, hieß es. Im weiteren Verlauf, hat sie mich darum gebeten, zumindest eine „Konferenzkugel“ zu werden aber keine Angst, ich bleibe da eisern. Es hilft nix, da müssen wir beide durch und sollte sie nochmals motzen, degradiere ich sie zur Kickers-Kugel.

Also denn, VWfL Wolfsburg. Zuhause. An sich eine der vielen lösbaren Aufgaben, die sich letztlich doch als „Gordischer Knoten“ entpuppt. Ja, wenn wir, wie damals, einen Aliaksandr den Großen hätten….. Wenigstens gibt es wieder eine biblische Szene. Ein angeblich den Teamgeist fördernder Besuch der Wilhelma, führt zu einem Unglück der heftigeren Sorte. Daniel in der Löwengrube! Nur der selbstlose und beherzte Einsatz des zufällig anwesenden Alfons Higl, derzeit ohnehin noch als Löwenbändiger beschäftigt, bewahrt Daniel Ljuboja vor Schlimmerem.

Der, von der jüngsten Entwicklung um die Personalie Veh vollends völlig demoralisierte Kader des VfB Stuttgart, findet sich, nun bereits im frühen Morgengrauen, auf dem vereinseigenen Trainingsgelände ein. Die verschworene Verschwörergemeinschaft rund um Soldo und Meissner, die schon legendären „Fuchsschwänze des Stuttgarter Trainergestühls“, stecken ein letztes Mal die Köpfe zusammen. Abschied liegt in der Luft. Wer soll je den altbewährten „Brustring-Brutus“ ersetzen? Zvoni empfiehlt den ausbaufähigen Andreas „Laubsäge“ Hinkel.

Der Anpfiff naht. Das Stadion ist bei Weitem nicht ausverkauft. Offenbar trägt der neuere Werbefeldzug von Coke Früchte. „It´s your Heimspiel“ und mehr und mehr potentielle Kartenkäufer pfeifen darauf. Da auch der Wolfsburger Anhang überschaubar ist (einer ist erkältet, der zweite muß zur Hochzeit seines Busenfreundes und der dritte kann wegen einer Rückrufaktion seines VW Touareg nicht anreisen), herrscht überwiegend Stille. Der Anhang des VfB äußert sich derweil in einer Vielzahl von Transparenten. Von eindeutigen und inhaltlich profunden Aussagen („Shyce Saison!“), über einigermaßen nachvollziehbaren („Geld zurück, Nerven zurück!“) und humoristisch gefärbten („Drei Punkte holt Ihr nur auf gelbem Grund!“), sind natürlich auch einige logische Denkfehler auf stoffenem Untergrund zu entdecken („Außer Zvoni, könnt ihr alle gehn!“???????).

4. Minute Armin Veh hat sich offenbar dafür entschieden, diesmal nicht ins offene Messer zu rennen. Vorsicht ist die Mutter der vehschen Trickkiste. Daniel „Löwenherz“ Ljuboja hat die strikte Anweisung von Veh, zusammen mit Sturmkollegen JDT eine Raute zu bilden. Wahrlich eine schwere Aufgabe.

12. Minute Der gefürchtete VfL stellt verwundert fest, daß ihm der VfB aufzwingt, das Spiel zu machen. Augenthaler ist entsetzt. Damit konnte keiner rechnen. All die schönen Absprachen, wer denn jeweils die Stuttgarter Spitzen übernehmen solle, sind dahin.

22. Minute Die Stuttgarter Balljungen erwarten letztmals in dieser Saison einen recht optimal gelegenen Freistoß des „Hammerzehs“-Hitzlsperger. Simon Jentzsch, durch intensives Videostudium bereits mehr als beruhigt, baumelt gelassen an der Querlatte. Diesmal ist wenigstens der Stuttgarter Publikumsliebling Schnoor der Leidtragende. Pech gehabt, Schnoor. Schon der Epikureer Caius Lucretius empfahl: „Lathe biosas, lebe im Verborgenen!“

34.Minute Soldo, heute ungemein präsent und motiviert bis in die Augenbrauen, macht sich in die Wolfsburger Hälfte auf. Jubelstürme branden auf, als sein 5 m Paß den außen mitgelaufenen Tiffert erreicht. Dummerweise war es aber halt Tiffert.

42.Minute Groeaea…… Groanaoer…. Graeaoer…..ähem, der einzige Spieler des VfB Stuttgart, dessen Kontoauszüge wegen der unzulässigen Zeichenfolgen im Nachnamen nur als §%&&§%%% ausgedruckt werden können, überrascht ein ums andere Mal mit gefälligen Flanken, mit denen die Wolfsburger aber nichts Wirkungsvolles anfangen können.

Halbzeit Während aus der Nachbarkabine das nuschelige Nölen des waschechten Bayern, der vertraglich dazu gezwungen ist, VW zu fahren, zu hören ist, bleibt Veh, trotz der zu Euphorie Anlaß gebenden bisherigen Leistung seiner Mannschaft, wie immer, sachlich („Wolfsburg ist nicht Bayern“, „Fußball ist kein Spiel. Wer angreifen will, soll halt zum Bund“ und „Ein Punkt gegen Wolfsburg ist besser, als kein Punkt gegen Frankfurt“). Babbel meint, gegen eine Gehaltserhöhung von 20 bis 30 %, könne er durchaus noch 2 bis 3 % zulegen.

46. Minute Der Schiedsrichter, der unglücklicherweise im Saisonverlauf mehrmals das Vergnügen hatt ein Spiel des VfB Stuttgart zu leiten, hat während der Halbzeitpause listig die Uhr um 3 Minuten vorgestellt. Hehehehe!

59. Minute Es wird selbst Armin Veh etwas zu defensiv. Anstelle des wie wahnsinnig nach hinten arbeitenden Ljuboja, soll nun die bewährte Offensivkraft Gerber für Schwung sorgen. Das Stadion lacht.

67.Minute Das Spiel plätschert dahin. Gottlob halten die erstmals von der Vereinsführung engagierten erfahrenen Animateure der MS Frohsinn die Haupttribüne bei Laune. Das, trotz der beengten Verhältnisse durchgeführte, Shuffleboard-Turnier wird sehr positiv aufgenommen.

78.Minute Ein Wunder ist geschehen. Der mittlerweile, aus Versehen, eingewechselte Gomez, dessen genbedingter Offensivdrang auch von den Maßgaben des Trainers nur gewaltsam im Zaum gehalten werden kann, dringt in den Wolfsburger Strafraum ein und wird zum Opfer seines Bewegungsablaufs. Der Schiedsrichter, nebenberuflich Conferencier und Entertainer bei Vereinstombolen innerhalb des Lankreises Schaumburg-Lippe, entschließt sich dazu, das Spiel durch eine zweifelhafte Entscheidung zu würzen, um die TV-Übertragungsminuten schlagartig zu verdreifachen. Elfmeter. Zur Feier des Tages erhält Zvoni die Gelegenheit, sich per Elfmetertor würdig zu verabschieden. Tatsächlich, 1:0.

85. Minute Die selbstsicheren Wolfsburger („Abstieg ist kein Thema“) stellen mehr und mehr fest, daß der Themenkreis 2. Liga durchaus mehr und mehr an Bedeutung gewinnen könnte und geben, wie Babbel verblüfft feststellt, mindestens 3 % mehr. Aus den 3 % mehr, entsteht eine Hundertprozentige aber da Timo wieder Unhaltbare hält, rauft sich Menseguez die südamerikanische Locke.

90. Minute Schlußpfiff. Ein 0:0 der müderen Sorte. Ein waschechter Abstiegskampf, in dem allerdings nur eine der beiden Mannschaften absteigen kann. Warum das so ist, bleibt ausnahmslos allen ein Rätsel. Egal! Allgemeine Zufriedenheit unter dem VfB-Anhang. Endlich vorbei! Der Mai ist gekommen, das Leben wird schön. Vertraut erscheinende Gesichter entpuppen sich wieder als Familienangehörige.

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